Dieses Thema hat einen bedeutsamen Hintergrund. Vor 100 Jahren fand das
weltweit erste Pfadfinderlager statt. Bereits am "Thinking-Day", dem 22.02.07
gedachten wir des Gründers der Pfadfinderbewegung Baden Powell und seines
großen und friedensstiftenden Werkes.
Mit diesem bezugsreichen Motto machten sich am 17.05. früh morgens 30
Pfadfinderinnen und Pfadfinder nach Almke bei Wolfsburg auf, um ihr
Stammeslager zu erleben. Bereits der Lageraufbau war als Teil des großen
Geländespiels angelegt, sodass die Pfadfinder/innen mit Elan und Tatendrang das
gesamte Lager in Rekordzeit aufgebaut und eingerichtet hatten. Das sonnige und
warme Wetter komplettierte den Eindruck eines gelungenen ersten Tages und lud
zum Schwimmen im nahe gelegenen Freibad ein. Nach der Lagerfeuer- und der
Bannerrunde fielen die ersten Pfadfinder erschöpft in die Schlafsäcke,
erwarteten aber auch schon voller Ungeduld den nächsten Tag, an dem das
Pfadfinderleben vor 100 Jahren nachempfunden werden sollte.
Besinnt man sich auf die uralten und traditionellen Werte der Pfadfinder, so
fallen einem verschiedene Aspekte ein. Die Pfadfindergesetze, Wegzeichen,
Knoten und Bünde, einfaches Leben und natürlich auch das Leben in der und mit
der Natur, sowie die hervorragende Bedeutung der Gemeinschaft der Pfadfinder.
Um möglichst viele dieser Aspekte an einem Tag sinnvoll zu kombinieren hatten
wir ein großes Geländespiel vorgesehen. Mehrere kleine Gruppen mussten
Wegzeichen folgen und unterwegs sollten verschiedene Aufgaben bewältigt werden.
Die Pfadfinder/innen sollten eine Seilbrücke bauen, Knoten und Bünde erlernen
sowie Bäume und Tiere erkennen. Zurück im Lager erhielt jede Gruppe den Auftrag
eine eigene Feuerstelle herzurichten, auf der sie über offener Flamme ihr Essen
kochen konnten. Hier waren Ideenreichtum und Organisationstalent gefragt. Hatte
eine Gruppe ihre Feuerstelle in Betrieb genommen, so konnte sie mit den
erzielten Punkten aus dem Lageraufbau verschiedene Lebensmittel eintauschen,
die die Mahlzeit der Gruppe aufwerteten. Da alle Gruppen sehr erfolgreich
gearbeitet hatten war für alle Beteiligten eine gute bis umfangreiche Mahlzeit
gesichert. Das Kochen über der offenen Flamme stellte eine besondere
Herausforderung dar. Das abendliche Bergfest rundete den Tag stimmungsvoll ab.
Der nächste Tag brachte den Blickpunkt auf die Pfadfinderei in 100 Jahren.
Viele Fragen stehen mit diesem Gedanken in Verbindung. Gibt es dann überhaupt
noch Pfadfinder? Was wird ihnen wichtig sein? Existieren noch unsere
Traditionen? Mit dieser Thematik starteten wir in den Zukunftstag.
In den Kleingruppen machten sich die Pfadfinder/innen ausführlich Gedanken zur
Zukunft der Pfadfinderei. Viele verfassten eine Botschaft für die Pfadfinder in
100 Jahren, wie das nachfolgende Beispiel zeigt.
"Liebe Pfadfinder im Jahr 2107!
Wir, die Pfadfinder im Jahr 2007 haben uns einmal Gedanken gemacht, wie das
Leben als Pfadfinder vor hundert Jahren, heute und in hundert Jahren
aussah/aussieht. Wir haben im Lager einen recht guten Standard, wir schlafen in
Zelten, haben ein großes Hauptzelt, die Jurte. Wir kochen mit Gaskochern und
wahrscheinlich wie ihr auch mit Wasser! Es ist so schwer vorstellbar wie das
Leben als Pfadfinder in 100 Jahren so aussieht, auch wie das Lagerleben so
läuft. Dazu haben wir unsere Gedanken zusammengefasst:
-
bessere und größere Zelte
-
digitales Kartenwerk
-
singen am Lagerfeuer mit instrumentaler Begleitung
-
Jurte soll bleiben
-
soll Klasse bewahren, was einen Pfadfinder ausmacht
-
neuer Insektenschutz
-
Kluft, kurz und lang
-
Lagerbauten
-
andere Energiequellen zum Kochen
-
Lasertaschenmesser
-
Pfadfindergesetze bleiben
-
Versprechen bleibt!!!!
-
naturverbunden
-
elektronischer Lagerbericht
Wir hoffen, dass es die Pfadfinderei dann noch gibt und das ihr genauso viel
Spaß und Freude am Pfadfinderleben habt wie wir.
Dazu diese Grüße aus der Vergangenheit
Gut Pfad
P.S.Vielleicht führt ihr dieses Projekt weiter in eurem Stamm und
überlegt mal selbst, wie das Leben als Pfadfinder vor 100 Jahren, heute und in
100 Jahren ist."
Als die Kleingruppen am Nachmittag ihre Ergebnisse den anderen Gruppen
vorstellten wurde viel gekichert, gealbert und gelacht. Manche Ideen waren
wirklich phantastisch.
Erstaunlicherweise hatten fast alle Berichte einige Punkte, in denen sie
übereinstimmten. Praktisch alle Pfadfinder/innen hielten einige Rituale bzw.
Traditionen für essentiell und unumstößlich für die richtige Pfadfinderei.
Hierunter fielen das Tragen der Kluft, die Bannerrunden am Morgen und am Abend,
ebenso die Lagerfeuerrunden und vor allem der unbedingte Wunsch in einer
Gemeinschaft etwas besonderes zu erleben und ein Stück weit selbst ein Teil von
etwas Besonderem zu sein und auch daran zu wirken.
Wir beschlossen eine Zeitkapsel zu füllen und anschließend zu verschließen.
Jeder Pfadfinder konnte in die Kapsel etwas hineinlegen; sei es eine Botschaft
für zukünftige Pfadfinder oder ein Andenken an eigene Erlebnisse. Die Kapsel
wurde dann verschlossen und darf frühestens in 15 Jahren wieder geöffnet
werden.
Nach dem Lagerabbau am folgenden Tag kehrten die Pfadfinder/innen wieder nach
Helmstedt zurück.
Wir hatten Riesenglück mit dem Wetter. Außer dem extrem hohen Erschöpfungsgrad
ging es den 30 Pfadfindern bei der Schlussrunde am Kloster in Helmstedt richtig
gut. Sie hatten etwas erlebt. Ihre Gemeinschaft ist gewachsen und durch ihre
gegenseitige Unterstützung haben sie Herausforderungen gemeistert und richtig
viel Spaß gehabt.
Solche Lager machen Lust auf mehr. Wir freuen uns auf die Sommerlager und
natürlich auch auf unsere Meuten- und Truppstunden.
Ganz besonders möchten wir die tollen Leistungen unserer Pfadfinder/innen
hervorheben, die sie im Zusammenhang mit dem Zukunftstag erbracht haben.
Solange Pfadfinder an so große Ideale glauben und sich selbst einbringen, um
die Welt ein klein wenig besser zu machen; so lange fühlen wir uns sicher und
schauen optimistisch in die Zukunft. Pfadfinder sind Friedensstifter.
Verfasst am 29.05.2007 von Ulrich Freistedt